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Flacher Blick über eine lange Tischplatte: fünf Fassungen desselben Textes liegen nebeneinander, von links nach rechts immer stärker angestrichen und durchgestrichen; am Kopfende sitzt eine Frau und betrachtet die Reihe

Pressemitteilung mit ChatGPT schreiben

Herausgeber: PR-Professor · Redaktion: Florian Knust und eine clevere KI · Zuletzt geprüft am · Wie ich arbeite

ChatGPT kann eine Pressemitteilung formulieren, aber es kann nicht beurteilen, ob es überhaupt etwas zu melden gibt. Die Entscheidung über den Nachrichtenwert bleibt bei Ihnen. Diese Seite zeigt den Weg von der Idee zum versandfertigen Text in fünf Schritten, mit einem vollständig dokumentierten Durchlauf und den Stellen, an denen es dabei schiefgeht.

Was ein Sprachmodell bei einer Pressemitteilung übernehmen kann #

Zuverlässig übernimmt ein Sprachmodell die Form: Gliederung, Formulierung, Kürzung, Betreffzeilen und die Umstellung eines Textes in die fallende Wichtigkeit. Unzuverlässig ist es bei allem, was Wahrheit voraussetzt.

Die Trennlinie verläuft nicht zwischen leichten und schweren Aufgaben. Sie verläuft zwischen Aufgaben, bei denen der Text selbst die einzige Quelle ist, und Aufgaben, bei denen etwas außerhalb des Textes stimmen muss.

Eine Betreffzeile aus einem vorhandenen Absatz zu ziehen, ist die erste Art. Alles Nötige steht schon da, das Modell ordnet es nur um. Eine Umsatzzahl in dieselbe Meldung zu setzen, ist die zweite Art. Das Modell hat keinen Zugriff auf Ihre Zahlen und füllt die Lücke mit etwas, das plausibel aussieht.

Daraus folgt die Arbeitsteilung, die diese ganze Seite trägt: Sie liefern die Substanz, das Modell liefert die Sprache. Wer die Reihenfolge umdreht und das Modell zuerst nach einem Thema fragt, bekommt eine gut formulierte Meldung über nichts.

Eine Frau streicht auf einem Ausdruck neben einem Laptop eine Zeile durch und setzt ein Fragezeichen an den Rand
Der Entwurf kommt aus der Maschine. Was drin bleibt, entscheidet ein Mensch.

Die fünf Schritte #

Briefing, Rohtext, Zitat, Prüfung, Faktencheck. Der vierte und der fünfte Schritt sind die, die in der Praxis übersprungen werden, und genau die beiden machen den Unterschied zwischen brauchbar und peinlich.

Fünf Schritte von der Idee zur fertigen Meldung Fünf verbundene Felder: Material sammeln, Auftrag formulieren, Entwurf erzeugen, Fakten prüfen, selbst überarbeiten. Der vierte Schritt ist hervorgehoben, weil er am häufigsten übersprungen wird. 1 Material sammeln 2 Auftrag formulieren 3 Entwurf erzeugen 4 Fakten prüfen 5 Selbst überarbeiten Der Schritt, den fast alle überspringen. Alles, was im Entwurf steht und vorher nicht im Auftrag stand, ist eine Vermutung der Maschine.
Fünf Schritte. Der vierte ist die Prüfung, die niemand auslassen darf.

Schritt 1: Das Briefing

Sie sammeln, bevor Sie das Modell öffnen. Was ist passiert, wann, wo, wer war beteiligt, welche Zahlen sind belegt, wer darf zitiert werden. Das dauert zehn Minuten und entscheidet über die Qualität aller folgenden Schritte.

Ein Briefing, das aus zwei Sätzen besteht, erzeugt eine Meldung, die aus Füllmaterial besteht. Das Modell merkt den Mangel nicht an. Es füllt ihn.

Schritt 2: Der Rohtext

Jetzt geben Sie das Briefing vollständig in einem einzigen Auftrag weiter und lassen die Meldung in fallender Wichtigkeit aufbauen. Wichtig ist das Verbot: Das Modell darf nichts hinzufügen, was im Briefing fehlt.

Prompt für den Rohtext. Ersetzen Sie die eckigen Klammern durch Ihre Angaben und lassen Sie keine davon leer.

Schreibe eine deutschsprachige Pressemitteilung.

Anlass: [was genau passiert ist]
Datum und Ort: [Datum, Ort]
Organisation: [Name, Rechtsform, Sitz]
Belegte Zahlen: [nur Zahlen, die ich dir hier nenne]
Zitatgeber: [Name, Funktion]
Zielmedium: [Fachmedium, Lokalzeitung, Wirtschaftsredaktion]

Aufbau: fallende Wichtigkeit. Das Wichtigste steht im ersten
Absatz, danach wird es unwichtiger.
Umfang: maximal 2.500 Zeichen.
Sprache: sachlich, keine Werbesprache, keine Superlative.

Wichtig: Verwende ausschliesslich die Angaben aus diesem
Auftrag. Wenn dir eine Angabe fehlt, schreibe an dieser Stelle
[FEHLT: was genau] statt eine Annahme einzusetzen.

Die letzte Zeile ist der halbe Erfolg. Ohne sie erfindet das Modell die fehlende Angabe. Mit ihr bekommen Sie eine Liste dessen, was Sie noch besorgen müssen.

Schritt 3: Das Zitat

Zitate lässt man getrennt erzeugen, weil sie einer anderen Logik folgen als der Fließtext. Ein Zitat soll eine Haltung transportieren, die im Sachtext nichts verloren hat.

Was hier gilt: Das Modell schlägt vor, der Zitatgeber entscheidet. Ein Zitat, das die zitierte Person nicht gelesen und freigegeben hat, gehört nicht in eine Meldung. Das ist kein Formalismus. Es ist der Unterschied zwischen einer Aussage und einer erfundenen Aussage.

Schritt 4: Die Prüfung

Sie lesen die Meldung einmal gegen Ihr Briefing. Jede Angabe im Text muss sich auf eine Angabe im Briefing zurückführen lassen. Alles, was das nicht tut, ist eine Erfindung des Modells und fliegt raus.

Dieser Schritt kostet fünf Minuten und ist der Grund, warum die Kette in der Abbildung oben an der vierten Stelle hervorgehoben ist.

Schritt 5: Der Faktencheck

Der letzte Schritt betrifft die Angaben, die stimmen könnten, aber niemand geprüft hat. Schreibweisen von Namen, Funktionsbezeichnungen, Ortsangaben, Jahreszahlen. Dazu unten ein eigener Abschnitt.

Ein vollständiger Durchlauf #

Hier steht ein kompletter Durchlauf im Wortlaut: das Briefing, die unbearbeitete Ausgabe des Modells, die gefundenen Fehler und die versandfertige Fassung.

Der Fall ist konstruiert, das Vorgehen ist es nicht. Ein Ingenieurbüro mit 40 Beschäftigten hat einen Standort eröffnet und will das melden. Die gezeigte Rohfassung entspricht dem, was Sprachmodelle bei einem Briefing dieser Art regelmäßig liefern, samt der fünf Fehler, die weiter unten aufgelistet sind.

Das Briefing

Anlass: Eröffnung eines zweiten Standorts
Datum und Ort: 5. August 2026, Lüneburg
Organisation: Meiners Ingenieure GmbH, Sitz Hamburg
Belegte Zahlen: 40 Beschäftigte gesamt, 6 Stellen am neuen
  Standort, Bürofläche 340 Quadratmeter
Zitatgeber: Anke Meiners, Geschäftsführerin
Zielmedium: Lokalzeitung Lüneburg, Wirtschaftsredaktion

Die unbearbeitete Ausgabe

Meiners Ingenieure expandiert erfolgreich nach Lüneburg

Hamburg/Lüneburg, 5. August 2026. Die Meiners Ingenieure
GmbH setzt ihren dynamischen Wachstumskurs fort und eröffnet
einen zweiten Standort in Lüneburg. Auf 340 Quadratmetern
entstehen sechs neue Arbeitsplätze. Das Unternehmen, das
seit über 25 Jahren am Markt ist, beschäftigt damit
insgesamt 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

"Lüneburg ist für uns der ideale Standort, um unser volles
Potenzial auszuschöpfen", sagt Anke Meiners, Geschäftsführerin
der Meiners Ingenieure GmbH. "Wir freuen uns darauf, unseren
Kunden in der Region noch näher zu sein."

Mit der Erweiterung reagiert das Unternehmen auf die stark
gestiegene Nachfrage im Bereich der technischen
Gebäudeausrüstung, die in den vergangenen Jahren um rund
30 Prozent zugelegt hat.

Über Meiners Ingenieure: Die Meiners Ingenieure GmbH mit Sitz
in Hamburg ist ein führendes Ingenieurbüro für technische
Gebäudeausrüstung und betreut Projekte in ganz Norddeutschland.

Was daran falsch ist

Der Text liest sich flüssig und wäre in dieser Form ein Problem. Fünf Stellen halten der Prüfung gegen das Briefing nicht stand:

  • „seit über 25 Jahren am Markt" stand nicht im Briefing. Das Modell hat ein Gründungsjahr erfunden, das plausibel klingt.
  • „um rund 30 Prozent zugelegt" ist eine frei erfundene Marktzahl. Sie sieht aus wie eine Recherche und ist keine.
  • „ein führendes Ingenieurbüro" ist eine Selbstbewertung ohne Beleg. Redaktionen streichen sie, manche Wettbewerber mahnen sie ab.
  • Das Zitat enthält „unser volles Potenzial ausschöpfen" und sagt damit nichts. Frau Meiners hat diesen Satz außerdem nie gesagt.
  • „expandiert erfolgreich" und „dynamischen Wachstumskurs" sind Werbesprache, obwohl der Auftrag sie ausgeschlossen hatte.

Drei der fünf Punkte sind erfundene Tatsachenbehauptungen. Sie stehen in einem Text, den niemand böswillig geschrieben hat, und sie würden ungeprüft an eine Redaktion gehen.

Die versandfertige Fassung

Meiners Ingenieure eröffnet Standort in Lüneburg

Hamburg/Lüneburg, 5. August 2026. Die Meiners Ingenieure
GmbH hat in Lüneburg einen zweiten Standort eröffnet. Auf
340 Quadratmetern Bürofläche entstehen sechs Stellen. Das
Ingenieurbüro mit Sitz in Hamburg beschäftigt danach
40 Menschen.

Der Standort betreut Projekte im Raum Lüneburg. Bisher
wurden diese von Hamburg aus bearbeitet.

"Wir sitzen jetzt eine halbe Stunde von den Baustellen
entfernt statt zwei", sagt Anke Meiners, Geschäftsführerin
der Meiners Ingenieure GmbH. "Das merkt man an jedem
Termin."

Über Meiners Ingenieure: Die Meiners Ingenieure GmbH plant
technische Gebäudeausrüstung. Das Büro hat seinen Sitz in
Hamburg und beschäftigt 40 Menschen.

Pressekontakt:
[Name, Telefon, E-Mail]

Die zweite Fassung ist kürzer und enthält keine ungeprüfte Angabe. Ihr Zitat trägt eine Information. Der Weg dorthin dauerte etwa zwölf Minuten, davon entfielen acht auf das Briefing und die Prüfung.

Der Faktencheck, den niemand auslässt #

Jede Zahl, jeder Name und jedes Datum in einer maschinell erzeugten Meldung wird gegen eine Quelle außerhalb des Modells geprüft, bevor die Meldung das Haus verlässt.

Sprachmodelle erzeugen Text, der wahrscheinlich klingt. Wahrscheinlichkeit und Wahrheit fallen oft zusammen, aber eben nicht immer, und die Abweichungen sehen genauso souverän aus wie der Rest. Deshalb hilft kein aufmerksames Lesen. Es hilft nur eine Liste.

Was geprüft wirdWogegen
Alle ZahlenIhre eigenen Unterlagen. Keine Zahl aus dem Modell übernehmen.
Schreibweise von NamenImpressum, Visitenkarte, Handelsregister
FunktionsbezeichnungenRückfrage bei der Person selbst
ZitateSchriftliche Freigabe des Zitatgebers
Rechtsform und FirmierungHandelsregisterauszug
Datums- und OrtsangabenIhr Kalender, nicht der Text
Marktzahlen und StudienDie genannte Quelle im Original. Existiert sie nicht, fliegt die Aussage raus.

Erfundene Quellen sind der häufigste schwere Fall. Sprachmodelle nennen bereitwillig Studien, die es nicht gibt, samt Institut und Prozentwert. Wenn Sie eine solche Angabe übernehmen und ein Journalist sie nachschlägt, ist der Schaden größer als der Nutzen der ganzen Meldung.

Was Sie der Redaktion sagen müssen #

Eine mit KI-Unterstützung geschriebene Pressemitteilung muss in Deutschland nicht gekennzeichnet werden, solange ein Mensch sie verantwortet und freigegeben hat.

Wann das nicht trägt: Sie in einem Umfeld arbeiten, das eigene Regeln gesetzt hat. Manche Verbände, Förderprogramme und öffentliche Auftraggeber verlangen inzwischen einen Hinweis, unabhängig von der Gesetzeslage. Sehen Sie in Ihre Vergabe- oder Verbandsunterlagen, bevor Sie sich auf die allgemeine Regel verlassen.

Eine Frau reicht einem Mann ein einzelnes Blatt, beide sehen einander dabei an
Was die Redaktion wissen muss, sagt man ihr – beiläufig, nicht feierlich.

Die Verantwortung liegt bei der absendenden Organisation, unabhängig vom Werkzeug. Wer eine Meldung freigibt, steht für ihren Inhalt gerade. Ob dabei ein Textverarbeitungsprogramm, eine Agentur oder ein Sprachmodell geholfen hat, ändert daran nichts.

Anders liegt der Fall bei erzeugtem Bildmaterial. Ein Foto, das kein Foto ist, gehört gekennzeichnet, und zwar deutlich. Redaktionen reagieren darauf empfindlich, und zu Recht.

Häufige Fragen #

Merkt eine Redaktion, dass ein Text mit KI entstanden ist?

An den typischen Mustern schon: glatte Dreier-Aufzählungen, viele Superlative, Zitate ohne Aussage. Ein überarbeiteter Text fällt nicht auf. Ein unbearbeiteter fast immer.

Welches Modell eignet sich am besten?

Der Unterschied zwischen den großen Anbietern ist für diese Aufgabe kleiner als der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Briefing. Nehmen Sie das Werkzeug, das Ihre Organisation ohnehin einsetzt.

Darf ich vertrauliche Angaben eingeben?

Klären Sie das mit Ihrer IT, bevor Sie es tun. Bei Sperrfristmeldungen und bei personenbezogenen Angaben gilt: erst die Freigabe, dann der Prompt.

Kann das Modell meine Meldung auch verteilen?

Nein, und das ist gut so. Die Auswahl der Empfänger ist der Teil der Pressearbeit, der über den Erfolg bestimmt. Wie Sie den Verteiler aufbauen, steht auf der Seite Pressearbeit.

Lohnt sich das überhaupt, wenn ich hinterher alles prüfen muss?

Für die erste Fassung ja. Sie sparen das leere Blatt und die Zeit für den Aufbau. Die Prüfung hätten Sie bei einem selbst geschriebenen Text ebenfalls gemacht.

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